{"id":14618,"date":"2023-11-19T09:59:50","date_gmt":"2023-11-19T08:59:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/verschiedene\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/"},"modified":"2023-12-19T11:40:15","modified_gmt":"2023-12-19T10:40:15","slug":"kleine-ursache-grosse-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/","title":{"rendered":"Kleine Ursache &#8211; grosse Wirkung"},"content":{"rendered":"<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-14618\" data-postid=\"14618\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-14618 themify_builder tf_clear\">\n    \t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_zhp7360 tb_first tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_bf8z360 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_w1gv432   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <p>Autor: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benedikt_H%C3%A4rlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benedikt H\u00e4rlin<\/a>.<\/p>\n<p>Der Artikel erschien zuerst in <a href=\"https:\/\/www.bioforumschweiz.ch\/kultur-und-politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kultur und Politik 3\/23<\/a>. Mit der freundlicher Erlaubnis des Autors ver\u00f6ffentlichen wir ihn auf dieser Webseite.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  id=\"TOC\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_egcg542 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_hpwt542 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_07az542  repeat \" data-lazy=\"1\">\n    <h3 class=\"module-title\">Inhaltsverzeichnis<\/h3>    <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <p><a href=\"#intro\">Einleitung<\/a><br \/><a href=\"#neue_gentechnik\">Eine neue Geschichte \u00fcber die Gentechnik<\/a><br \/><a href=\"#komplex\">Darf&#8217;s etwas komplexer sein?<\/a><br \/><a href=\"#welcher_pfad\">Auf welchen Pfad wollen wir uns begeben?<\/a><br \/><a href=\"#neue_saatgut-ordnung\">Die neue Saatgut-Ordnung<\/a><br \/><a href=\"#vorsorge\">Praktische Vorsorge<\/a><br \/><a href=\"#respekt\">Respekt und Ehrlichkeit<\/a><\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"intro\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-intro tb_85h1551 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_ajqy551 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_dkpy822   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Einleitung<\/h2><p><em>Das Hinzuf\u00fcgen, Entfernen oder Vertauschen einzelner Basenpaare im Erbgut kann einen gewaltigen Unterschied f\u00fcr das Funktionieren einer Zelle und die Eigenschaften eines ganzen Organismus machen. Es ist ein wenig wie Johann Sebastian Bachs Definition von gekonntem Klavierspiel: Man muss nur zur richtigen Zeit die richtige Taste dr\u00fccken. So einfach ist das und doch auch so schwer. Darin liegt der Reiz der Gentechnik, aber auch ihr Risiko.<\/em><\/p><p>Die EU-Kommission will, dass Pflanzen, die an bis zu zwanzig Stellen ihres Erbguts gentechnisch ver\u00e4ndert wurden, wie herk\u00f6mmlich gez\u00fcchtete Pflanzen zu behandeln sein sollen. An diesen zwanzig Stellen d\u00fcrften beliebig viele Basenpaare (Nukleotide) zerst\u00f6rt oder in ihrer Reihenfolge umgekehrt werden, bis zu 20 Basenpaare ver\u00e4ndert oder ersetzt werden, beliebig lange benachbarte DNA-Sequenzen durch verwandte Sequenzen ersetzt werden und jede andere Ver\u00e4nderung von beliebiger L\u00e4nge vorgenommen werden, die bereits in irgendeiner mit der Pflanze direkt oder \u00fcber Zwischenschritte kreuzbaren Pflanze vorkommt.<\/p><p>F\u00fcr diese neue Gentechnik, die (zun\u00e4chst nur bei Pflanzen) nicht mehr als Gentechnik behandelt werden soll, hat die Kommission den Begriff \u201eneue genomische Techniken\u201c eingef\u00fchrt. Besonders die als \u201eGenschere\u201c bezeichnete CRISPR-Cas Technologie, die an genau definierbaren Stellen des Genoms ein Doppelbruch der DNA erzeugt. Bei ihrer zelleigenen Reparatur kann die DNA sodann gezielt ver\u00e4ndert werden. Einzelne oder mehrere Basenpaare k\u00f6nnen umgeschrieben oder entfernt, l\u00e4ngere DNA-Abschnitte stillgelegt oder neu an der Bruchstelle eingesetzt werden. Daf\u00fcr wird zun\u00e4chst mit klassischen Methoden der Gentechnik die bakterielle DNA des CRISPR-Cas Enzyms samt RNA-Suchmechanismus in die Zelle eingebracht und anschliessend m\u00f6glichst wieder entfernt.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"neue_gentechnik\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-neue_gentechnik tb_lg80638 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_xnzd639 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_1upe639   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Eine neue Geschichte \u00fcber die Gentechnik<\/h2>\n<p>Es handle sich bei dieser <em>\u201eGenom-Editierung\u201c<\/em>, so die zentrale Begr\u00fcndung f\u00fcr die vorgeschlagene Neubewertung, lediglich um \u201e<em>gezielte Mutationen\u201c<\/em>, die auch auf \u201enat\u00fcrliche Art\u201c durch herk\u00f6mmliche Z\u00fcchtung entstehen k\u00f6nnten. Damit verbundene Risiken f\u00fcr Umwelt und menschliche Gesundheit seien deshalb grunds\u00e4tzlich nicht h\u00f6her als die Produkte konventioneller Z\u00fcchtung. Zudem seien sie von diesen nicht einmal zuverl\u00e4ssig unterscheidbar. Im Unterschied zu <em>\u201etransgenen\u201c<\/em> Organismen, die <em>\u201eartfremde\u201c<\/em> DNA aus einem anderen Organismus enthalten, w\u00fcrden bei der <em>\u201eCisgenese\u201c<\/em> nur exakte Kopien von genetischem Material aus verwandten Pflanzen einf\u00fcgt, das bereits im <em>\u201eGenpool der Z\u00fcchter\u201c<\/em> dieser Pflanzen irgendwo auf der Welt verf\u00fcgbar ist. Falls die DNA-Kopie nicht exakt die gleiche ist, sondern schon ein wenig <em>\u201eumarrangiert\u201c<\/em> wurde, etwa a verschiedenen DNA-Abschnitten, die im \u201eGenpool der Z\u00fcchter\u201c vorkommen, handle es sich um \u201eIntragenese\u201c. Auch sie k\u00f6nne behandelt werden, als handle es sich dabei um herk\u00f6mmliche Z\u00fcchtung.<\/p>\n<p>Das ist ein neues Dogma, eine alternative Wahrheit dar\u00fcber, was Gentechnik bedeutet und wie sie funktioniert. Seit CRISPR\/Cas die erlahmte Phantasie der Gentechnik-Branche neu befl\u00fcgelt, wird diese Geschichte massiv verbreitet: Das sei gar keine richtige Gentechnik, sondern fast nat\u00fcrliche Mutagenese. Dann stellte der Europ\u00e4ische Gerichtshof im Jahre 2018 in einem Grundsatzurteil fest, dass s\u00e4mtliche neuen Gentechnikmethoden unter das herrschende Gentechnikrecht der EU fallen. Mangels praktischer Erfahrung und dank neuer technischer M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnten die neuen Gentechnikmethoden sogar riskanter sein als bisherige Methoden. Seither arbeitet eine millionenschwere Industrielobby und eine eher bescheidene Abteilung der Generaldirektion Gesundheit bei der EU-Kommission daran, das Gesetz zu \u00e4ndern, auf dessen Grundlage der EuGH urteilte: Wer das Urteil nicht \u00e4ndern kann, muss das Gesetz umschreiben.<\/p>\n<p>Wer nach wissenschaftlicher Literatur \u00fcber Cisgenese, Intragenese oder den \u201e<em>breeders gene pool\u201c<\/em> sucht, findet diese Begriffe ausschliesslich im Zusammenhang mit der angeblich nicht mehr zeitgem\u00e4ssen Gentechnik-Zulassungspraxis in Europa. Das Narrativ von riskanten Transgenen und ungef\u00e4hrlichen Cis- und Intragenen, von groben gentechnischen Manipulationen der Vergangenheit und pr\u00e4zisen Mutationen der Zukunft bietet Menschen in Politik, Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsunternehmen eine M\u00f6glichkeit an, ihren Einsatz f\u00fcr die Deregulierung der Gentechnik nicht als politischen Sinneswandel, sondern als neuere wissenschaftliche Erkenntnis zu pr\u00e4sentieren. Hier haben Menschen, die die Anwendung von Gentechnik in der Z\u00fcchtung seit Langem f\u00fcr ungef\u00e4hrlich halten und die bisherige Gentechnikgesetzgebung der EU f\u00fcr v\u00f6llig \u00fcberzogen, sich ein M\u00e4rchen f\u00fcr Politiker und die breite \u00d6ffentlichkeit ausgedacht, das einen z\u00fcgigen Ausstieg aus dem ganzen \u201eHumbug\u201c erlaubt. \u201eGenom-editierte\u201c Pflanzen sind daf\u00fcr der Einstieg. Die Europ\u00e4ische Lebensmittelbeh\u00f6rde EFSA arbeitet bereits an der Neubewertung gentechnischer Ver\u00e4nderungen bei Mikroorganismen.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_ce0w783 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_u68h788 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_ljpw788   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2 style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #333333\"><em>\u00abDie medizinische Literatur zu unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Folgen beim Einsatz von CRISPR-Cas ist erdr\u00fcckend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Listen bei Pflanzen k\u00fcrzer w\u00e4ren \u2013 es wird hier aber nicht danach gesucht.\u00bb<\/em><\/span><\/h2>\n    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"komplex\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-komplex tb_pcfs112 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_j73e112 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_xp0n113   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Darf&#8217;s etwas komplexer sein?<\/h2><p>Allerdings widerspricht dieses Narrativ von den guten und den fremden Genen und von dem, was nat\u00fcrlich ist und was nicht, vielen neueren Einsichten der Molekularbiologie. Dort setzt sich n\u00e4mlich die Erkenntnis durch, dass Zellen und Organismen einzelne DNA-Abschnitte nach Regeln ablesen und kombinieren, die nicht einfach in die DNA selbst \u201eeinprogrammiert\u201c sind.<\/p><p>Die Erkenntnis des Human Genome Project vor 20 Jahren, dass der menschliche K\u00f6rper \u00fcber 200.000 verschiedene Eiweisse mit nur ca. 25.000 sogenannten Genen, sprich ablesbaren DNA-Abschnitten, erzeugt, hat unser Bild vom sogenannten Bauplan des Lebens grundlegend ver\u00e4ndert. Seither hat die Epigenetik eine Vielzahl von Entdeckungen gemacht, die das naive Bild der DNA als Programm-Code relativieren. Dazu geh\u00f6ren die vielf\u00e4ltigen Funktionen von RNA: Kettenmolek\u00fcle \u00e4hnlich der DNA, meist einstr\u00e4ngig und sich viel komplexer formend; ebenfalls jene 99 Prozent der DNA, die nicht den Bauplan von Eiweissen codieren und deshalb urspr\u00fcnglich einmal als \u201ejunk DNA\u201c abgetan wurden. Es ist faszinierend: Je weiter die Wissenschaft in diese Wissensgebiete vordringt, desto komplexer wird das Bild. Daf\u00fcr gibt gerade die CRISPR-Cas-Technologie, die das gezielte \u201eAusschalten\u201c einzelner Gene erm\u00f6glicht, der Forschung ein enorm m\u00e4chtiges neues Instrument an die Hand.<\/p><p>Grob vereinfacht k\u00f6nnte man die DNA vielleicht mit einer Art festen Verdrahtung vergleichen, derer sich eine bisher nur sehr unvollst\u00e4ndig verstandene \u201eSoftware\u201c der Zelle in unterschiedlichen Zellen und Entwicklungsstadien und bei verschiedenen Umweltbedingungen bedient. In Unkenntnis und unter Umgehung der nat\u00fcrlichen Regeln und Kontrollmechanismen der Vererbung direkt in die DNA einzugreifen, kann unerwartete Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Eine derartige Eingriffstiefe, so die bisherige Grund\u00fcberlegung der vorsorgenden Gentechnikgesetzgebung der EU wie auch der Schweiz, bedarf besonderer Vorsicht. Denn unsere Erfahrung mit derartigen Eingriffen und ihren unmittelbaren und mittelbaren, kurz- und l\u00e4ngerfristigen Auswirkungen sind nach wie vor begrenzt.<\/p><p>Hier endet leider auch die Erz\u00e4hlung von der ungeheuren Pr\u00e4zision der neuen Technologie. Erst wer versteht, in welche Zusammenh\u00e4nge sie oder er jeweils direkt oder indirekt eingreift, kann echte Pr\u00e4zision f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Wer dagegen bestenfalls Wahrscheinlichkeiten angeben kann, mit denen bestimmte, noch so pr\u00e4zise Ver\u00e4nderungen einzelner DNA-Abschnitte ver\u00e4nderte Eigenschaften hervorbringen, ist von echter Kausalit\u00e4t und verl\u00e4sslicher Bewertung nicht erw\u00fcnschter M\u00f6glichkeiten noch weit entfernt. Auch ein mit \u00e4usserster Pr\u00e4zision gef\u00fchrter Schlag ins Wasser bleibt ein solcher.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_ryx1357 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_8776357 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_s0rq357   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2 style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #333333\"><em>K\u00fcnftig soll nicht mehr der tats\u00e4chliche Organismus, sondern nur noch das erfinderische Konzept dieses GVO angeschaut werden und nach Aktenlage gepr\u00fcft werden.<\/em><\/span><\/h2>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"ungereimtheiten\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-ungereimtheiten tb_hpt847 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_xeju48 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_por648   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Ungereimtheiten<\/h2><p>Es gibt wissenschaftlich-technische Einw\u00e4nde gegen das Narrativ der gezielten Mutation und ihrer ungeheuren Pr\u00e4zision. Dazu geh\u00f6rt, dass CRISPR-Cas Enzyme zwar sehr genau auf eine bestimmte Abfolge von Basenpaaren angesetzt werden k\u00f6nnen, nach denen ihre RNA-\u201eNase\u201c sucht. Sie kennen eine Stelle ihrer Wahl, an der ein gezielter Doppelstrangbruch der Helix verursacht werden soll. Doch wie viele weitere gleiche oder t\u00e4uschend \u00e4hnliche Sequenzen sich an anderen Stellen des Genoms finden, bleibt offen. Die medizinische Literatur zu unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Folgen beim Einsatz von CRISPR-Cas ist erdr\u00fcckend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Listen bei Pflanzen k\u00fcrzer w\u00e4ren \u2013 es wird hier aber nicht danach gesucht.<\/p><p>F\u00fcr Furore sorgte k\u00fcrzlich die Beschreibung eines \u201eChromothripsis\u201c genannten Effekts von Doppelstrangbr\u00fcchen in Pflanzen, bei dem Teile des betroffenen Chromosoms abreissen, mit massiven Folgen, die jedoch nicht immer leicht erkennbar sind. Dieser Effekt war in Zellen von S\u00e4ugetieren und Menschen bereits seit l\u00e4ngerem bekannt.<\/p><p>Dass CRISPR-Cas auch in solchen Regionen des Genoms Br\u00fcche verursacht, die von Natur aus gegen zuf\u00e4llige Mutationen besonders gut gesch\u00fctzt sind, stellt die Behauptung stark in Frage, gezielte Mutationen seien eigentlich nur harmlose Varianten dessen, was in der Natur st\u00e4ndig passiert.<\/p><p>Nicht zuletzt ist der besondere Mechanismus von CRISPR-Cas, nicht nur eine, sondern s\u00e4mtliche Fundstellen einer bestimmten DNA-Sequenz im Genom gleichzeitig zu ver\u00e4ndern, ein Effekt, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei nat\u00fcrlichen Mutationen auszuschliessen ist. Er gilt ja auch als besondere St\u00e4rke der Technik: Weizen mit seinen vier bis sechs Chromosomens\u00e4tzen und entsprechend vielen Kopien einzelner Gene, seine Gluten-Produktion auszutreiben, k\u00f6nnte so m\u00f6glich werden.<\/p><p>Hinzu kommt ein Ansatz, durch den George Church, ein Pionier und Enfant terrible der Gentechnik, den tasmanischen Beutelwolf oder das Mammut wieder auferstehen lassen will. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck will er eine CRISPR-Ver\u00e4nderung an die n\u00e4chste reihen, um die 0,4% Unterschied zwischen dem Genom des Mammuts und dem des asiatischen Elefanten zu \u00fcberbr\u00fccken. F\u00fcr weniger ambitionierte Pflanzenzucht-Ziele ist die systematische Aneinanderreihung einzelner \u201egezielter Mutationen\u201c nicht unbedingt eine versponnene Mammutaufgabe. Ganze am Bildschirm entworfene DNA-Sequenzen liessen sich so m\u00f6glicherweise Schritt f\u00fcr Schritt auf einen Organismus \u00fcbertragen; wenn es der EU-Kommission Freude macht, auch in Einzelschritten von jeweils 20 mal 20 Ver\u00e4nderungen. Weil, so schliesst man messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.<\/p><p>Auch die Methode der Risikoabsch\u00e4tzung soll ge\u00e4ndert werden: k\u00fcnftig soll nicht mehr der tats\u00e4chliche Organismus, sondern nur noch das erfinderische Konzept dieses GVO angeschaut werden. Die Hersteller teilen der Beh\u00f6rde die beabsichtigten Ver\u00e4nderungen mit und die Pr\u00fcfer untersuchen nach Aktenlage innerhalb von 30 Tagen, ob diese Ver\u00e4nderungen ihrer Meinung nach auch mit herk\u00f6mmlichen Z\u00fcchtungstechniken erzeugt werden k\u00f6nnen bzw. cisgenetischer oder intragenetischer Natur sind.<\/p><p>Reale, auch nicht beabsichtigte Ver\u00e4nderungen zu beachten, ist nicht mehr vorgesehen. Das erinnert an den ber\u00fchmten Betrunkenen, der nach dem verlorenen Schl\u00fcsselbund unter der Laterne sucht, weil nur dort Licht ist. Risiken und Nebenwirkungen dagegen, so lehrt uns die Erfahrung, sollten wir gerade da suchen, wo wir sie nicht erwarten.<\/p><p>Apropos Schl\u00fcsselbund: Die r\u00e4tselhafte Zahl von maximal 20 Nukleotiden, die von nun an als \u201enat\u00fcrliche Mutation\u201c durchgehen sollen, stammt \u2013 so die Vermutung beteiligter Wissenschaftler &#8211; urspr\u00fcnglich aus einer Untersuchung von nat\u00fcrlich vorkommenden genetischen Unterschieden in 80 Pflanzen der gleichen Pflanzenart (Ackerschmalwand, so etwas wie die Labormaus der Pflanzengenetiker) aus dem Jahre 2011. Damals erlaubte es die eingesetzte Testmethode zum heutigen Bedauern der Wissenschaftler nicht, l\u00e4ngere Sequenzen ebenso zuverl\u00e4ssig zu erkennen. Die Zahl scheint also in erster Linie der Begrenzung der damaligen Testmethoden zu verdanken zu sein.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"welcher_pfad\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-welcher_pfad tb_p3hh334 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_ehct334 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_t9v0335   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Auf welchen Pfad wollen wir uns begeben?<\/h2><p>\u00dcber all dies liesse sich trefflich streiten, spotten und philosophieren. Doch wir werden m\u00f6glicherweise im Laufe der kommenden Jahre noch atemberaubende Ersch\u00fctterungen unserer bisherigen Vorstellungen von Genetik und Epigenetik, von DNA und Mikrobiologie erleben, die \u00fcber jene der vergangenen Jahrzehnte weit hinausgehen. Denken wir nur an die revolution\u00e4ren Erkenntnisse, die sich gerade \u00fcber das Mikrobiom auch in der \u00d6ffentlichkeit durchsetzen oder an die M\u00f6glichkeiten, mittels sogenannter k\u00fcnstlicher Intelligenz in Minuten statt bisher Jahren die dreidimensionale Faltung von Eiweissen zu berechnen. Die Computer tun dies mit selbstlernenden Programmen, deren Logik auch ihre Erfinder nicht mehr nachvollziehen k\u00f6nnen. Ob uns dies eher begeistert oder be\u00e4ngstigt, wir sollten uns auf bahnbrechende neue Einsichten einstellen und auch auf umst\u00fcrzende Anwendungsm\u00f6glichkeiten in der Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung.<\/p><p>Dass in der Landwirtschaft fundamentale Ver\u00e4nderungen notwendig sind, steht angesichts der Sch\u00e4den, die wir auf diesem Gebiet der Natur derzeit zuf\u00fcgen, ausser Frage. Eben gerade deshalb k\u00f6nnen wir uns gentechnische Idiotien wie die herbizidtoleranten Monokulturen von Bayer, Syngenta und Corteva nicht weiter leisten und auch nicht deren Fortf\u00fchrung mit anderen Mitteln. An erster Stelle muss der Ausstieg aus einer industriellen Landwirtschaft des letzten Jahrhunderts stehen, aus deren \u00dcberd\u00fcngung und Vergiftung, ineffizienter \u00dcberproduktion, Verschwendung und Verdr\u00e4ngung b\u00e4uerlicher Existenzen und Produktion von Lebensmitteln von immer geringerer Qualit\u00e4t. Diese agrar\u00f6kologische Umgestaltung zu verpassen w\u00e4re nicht nur riskant, sondern mit Sicherheit eine t\u00f6dliche Gefahr.<\/p><p>Die Rabulistik und Winkelz\u00fcge der Definition von Cisgenese, Intragenese und breeders gene pool widersprechen nicht nur den Anforderungen evidenzbasierter und solider Wissenschaft. Sie lenken auch von den wirklichen Herausforderungen und m\u00f6glichen Gefahren und Risiken ab. Zu reden ist dabei auch \u00fcber die \u00f6kologische, gesundheitliche und soziale Beherrschbarkeit und Wirkung von Technologien und Entwicklungspfaden jenseits der technischen Risiken im engeren Sinne.<\/p><p>Auch f\u00fcr die Wahrscheinlichkeit von technischen Fehlern und Missbrauch spielen die sinkenden Kosten der Sequenzierung von Genomen und ihrer digitalen Verarbeitung wie auch der CRISPR-Cas Technik eine wesentliche Rolle. In der gegenw\u00e4rtigen Phase allgemeiner Goldgr\u00e4berstimmung auf jede Identifizierbarkeit und Risikoabsch\u00e4tzung Kennzeichnung und \u00dcberwachung zu verzichten, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Deregulierung in Zeiten eines explodierenden technologischen Innovationsschubes mit ungewissem Ausgang ist das Gegenteil von Vorsorge und Umsicht.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_z4t8934 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_7yne938 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_p4rl938   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2 style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #333333\"><em>\u00abDie Deregulierung der Gentechnik geht mit der Gier nach \u201egeistigem Eigentum\u201c an Saatgut und einzelnen genetischen Eigenschaften m\u00f6glicherweise eine fatale Verbindung ein.\u00bb<\/em><\/span><\/h2>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"neue_saatgut-ordnung\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-neue_saatgut-ordnung tb_tant565 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_ah3v565 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_u4wk565   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Die Neue Saatgut-Ordnung<\/h2><p>Wem werden die neuen, aber auch die alten technologischen M\u00f6glichkeiten k\u00fcnftig geh\u00f6ren? Die Deregulierung der Gentechnik geht mit der Gier nach \u201egeistigem Eigentum\u201c an Saatgut und einzelnen genetischen Eigenschaften m\u00f6glicherweise eine fatale Verbindung ein. Was immer mit Hilfe von CRISPR-Cas und \u00e4hnlichen Gentechniken entwickelt wird, f\u00e4llt nach geltendem Europ\u00e4ischen Patentrecht nicht mehr unter das grunds\u00e4tzliche Verbot der Patentierung von \u201eim wesentlichen biologischen Verfahren zur Produktion von Pflanzen und Tieren\u201c (herk\u00f6mmlicher Z\u00fcchtung etwa) und deren Produkten. CRISPR-Cas w\u00e4re also ein T\u00fcr\u00f6ffner, um Saatgut bzw. einzelne Eigenschaften zu patentieren und nicht mehr \u201enur\u201c unter Sortenschutz zu stellen. Es ist nicht der einzige Weg, den die Patentanw\u00e4lte von Bayer, Corteva, Syngenta &amp; Co derzeit beschreiten, aber der einfachste.<\/p><p>Der zentrale Unterschied: Mit gesch\u00fctzten Sorten k\u00f6nnen Z\u00fcchter weiter neue Sorten entwickeln, ohne dass es daf\u00fcr der Zustimmung des Sorten-Inhabers bedarf. Landwirte k\u00f6nnen aus diesen Sorten eigenes Saatgut gewinnen und optimieren. Bei patentiertem Saatgut l\u00e4uft ohne die Zustimmung und Lizenz des Patentinhabers dagegen nichts mehr. Das gilt, und hier kommt die Kennzeichnung und Identifizierbarkeit der GVOs ins Spiel, auch dann, wenn die patentierte Eigenschaft zuf\u00e4llig in Zucht- oder Pflanzmaterial einkreuzt: Sie bleibt das exklusive Eigentum des Patentinhabers.<\/p><p>Ausgerechnet in Zeiten, in denen durch Klimawandel und Artenverlust die Anpassung und Entwicklung neuer Sorten eine besondere Dringlichkeit bekommt, w\u00fcrde die \u201eVercrisperung\u201c der Z\u00fcchtung einem noch kleineren und exklusiven Kreis von Unternehmen und deren Anwaltskanzleien das Feld \u00fcberlassen. Den Resten von \u201eopen source\u201c, die im Sortenrecht verankert sind, w\u00fcrde so der Garaus gemacht. F\u00fcr jedes Zuchtunternehmen w\u00e4re die Versuchung und bald auch der Konkurrenzdruck gross, neuen Sorten eine \u201egezielte Mutation\u201c anzuh\u00e4ngen, um den Bauern und B\u00e4uerinnen den Nachbau und der Konkurrenz die Nutzung des genetischen Materials zu versagen. Der gesamte Saatgut-Markt w\u00fcrde so in relativ kurzer Zeit einer neuen Weltordnung unterworfen. Die Folgen lassen sich heute bereits in Amerika besichtigen, wo kleine und mittelst\u00e4ndische Zuchtunternehmen praktisch verschwunden sind. Der Erhalt und die Fortentwicklung des vielleicht wichtigsten Erbes der Menschheit w\u00fcrde endg\u00fcltig zur exklusiven Technologie einiger weniger Saatgut-Oligarchen verkommen; den gleichen \u00fcbrigens, die die Kennzeichnung und R\u00fcckverfolgbarkeit dieser neuen Gentechnik-Produkte mit dem Argument bek\u00e4mpfen, sie seien von herk\u00f6mmlich gez\u00fcchteten Varianten praktisch nicht zu unterscheiden. Wenn es um ihre Patente geht, werden sie hierf\u00fcr mit Sicherheit Mittel und Wege finden.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"vorsorge\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-vorsorge tb_wruq963 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_muc5964 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_fuh2964   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Praktische Vorsorge<\/h2><p>Da Z\u00fcchtung und Gentechnik an Pflanzen stets an der Keimbahn ansetzen, also sich selbst vermehrende Organismen erzeugen, deren Eigenschaften sich in der Natur auf verwandte Arten auskreuzen und weiterverbreiten k\u00f6nnen, ist Vorsorge geboten. Wir sollten m\u00f6gliche Risiken vorab in der Praxis untersuchen und absch\u00e4tzen. Der Eingriff sollte im Notfall so weit wie m\u00f6glich r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnen, die freigesetzten GVOs zu diesem Zweck eindeutig identifizierbar sein. Dies ist technisch kein Problem, wenn die Hersteller des GVOs kooperieren und wie bisher einen Test als Bestandteil der Zulassungsunterlagen einreichen.<\/p><p>Die weitergehende Frage ist: Wie viel Respekt haben wir sinnvollerweise vor den sich abzeichnenden neuen Manipulationsm\u00f6glichkeiten und dem l\u00e4ngst nicht begriffenen grossen Ganzen, in das wir mit ihnen eingreifen? Und wie viel Vorsicht ist im Umgang mit der menschlichen Innovationsf\u00e4higkeit und daraus entstehenden Machtverh\u00e4ltnissen geboten?<\/p><p>Ist es wirklich sinnvoll, der Gentechnik-Zunft, die bei allem Respekt noch keinen einzigen \u00fcberzeugenden Beitrag zum \u00f6kologischen Umbau und zur Nachhaltigkeit von Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft vorzuweisen hat, durch weitgehende Deregulierung der bisherigen Sicherheits- und Transparenzvorschriften kurzfristige Investitionsanreize zu bieten? Sind solche Vorschuss-Lorbeeren gerechtfertigt f\u00fcr eine Branche, deren einziger wirtschaftlicher Erfolg in den letzten 30 Jahren in einem System von herbizidtoleranten und insektengiftigen Pflanzen besteht, das weltweit gewaltige Umwelt- und Gesundheitssch\u00e4den verursacht?<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  data-anchor=\"respekt\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_has_section tb_section-respekt tb_e512854 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_ffpb854 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_wtf0855   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Respekt und Ehrlichkeit<\/h2><p>Warum soll auf keinen Fall mehr draufstehen was tats\u00e4chlich drin ist? GVOs und ihre Produkte m\u00fcssen weiterhin klar gekennzeichnet werden. Nicht zuletzt auch, um dem biologischen Landbau, der den Einsatz von Gentechnik ausschliesst, nicht den Todesstoss zu versetzen. Der Vorschlag der EU-Kommission bekr\u00e4ftigt zwar weiterhin das Verbot des Einsatzes auch der neuen Gentechnik im \u00d6kolandbau. Er \u00fcberl\u00e4sst aber die Haftung daf\u00fcr ausschliesslich der Biobranche und die Regelung der nur noch schwer vorstellbaren Koexistenz den Mitgliedstaaten. Und denen bindet sie dabei sogar noch eine Hand auf den R\u00fccken: Die bisher m\u00f6glichen nationalen oder regionalen Einschr\u00e4nkungen oder gar Verbote f\u00fcr den Anbau von GVOs werden f\u00fcr die nicht mehr r\u00fcckverfolgbaren neuen GVOs ausgeschlossen!<\/p><p>Der Versuch, den Streit um das Thema dadurch zu beenden, dass daf\u00fcr entscheidende Informationen den sichtlich interessierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern k\u00fcnftig vorenthalten werden nach dem Motto \u201edie Wissenschaft hat festgestellt, dass Euch das nicht zu interessieren hat\u201c ist \u00fcbergriffig.<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t\t\t\t\t<!-- module_row -->\n\t\t<div  id=\"paragraph3\" data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_1c6h542 tf_w tf_clearfix\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n\t\t\t\t\t<div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_z56s542 first\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"tb-column-inner tf_box tf_w\">\n\t\t\t\t<!-- module icon -->\n<div  class=\"module module-icon tb_f8ua542  normal circle icon_horizontal tf_textr\" data-lazy=\"1\">\n\t\t\t<div class=\"module-icon-item\">\n\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"#TOC\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<em class=\"tf_box\"><svg  class=\"tf_fa tf-ti-arrow-up\" aria-hidden=\"true\"><use href=\"#tf-ti-arrow-up\"><\/use><\/svg><\/em>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span>zur\u00fcck zum Artikelanfang<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<!-- \/module icon -->\n<!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_kpxs910   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n    <h2>Links<\/h2>\n<p>Europa-Parlament, Legislative Train Schedule:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/legislative-train\/spotlight-JD%2023-24\/file-plants-produced-by-certain-new-genomic-techniques\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Plants produced by certain new genomic techniques in &#8222;A European Green Deal&#8220;<\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">SAG Schweizer Allianz Gentechfrei: <\/span><a href=\"https:\/\/gentechnologie.ch\/de\/themen\/neue-gv-verfahren\/5358-stimmen-der-wissenschaft-gegen-deregulierungsplaene-der-eu-kommission\"><span style=\"font-weight: 400;\">Stimmen der Wissenschaft gegen Deregulierungspl\u00e4ne der EU-Kommission <\/span>(5.12.23)<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->\t\t\t\t<\/div><!-- .tb-column-inner -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .module_column -->\n\t\t\t\t\t\t<\/div><!-- .row_inner -->\n\t\t<\/div><!-- .module_row -->\n\t\t\t\t<\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die &#8222;neue Gentechnik&#8220; und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":15051,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[119],"tags":[],"class_list":["post-14618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-pflanzenzucht","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v23.8 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die &quot;neue Gentechnik&quot; und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die &quot;neue Gentechnik&quot; und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Agrarinfo\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/agrarinfo.ch\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2023-11-19T08:59:50+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-12-19T10:40:15+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"2560\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"1759\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"repris d&#039;une autre source\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@agrar_info\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@agrar_info\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"repris d&#039;une autre source\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"29\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\"},\"author\":{\"name\":\"repris d'une autre source\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/2c9c7ebc6367dcfe6e1ddacf391c5336\"},\"headline\":\"Kleine Ursache &#8211; grosse Wirkung\",\"datePublished\":\"2023-11-19T08:59:50+00:00\",\"dateModified\":\"2023-12-19T10:40:15+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\"},\"wordCount\":3054,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg\",\"articleSection\":[\"Pflanzenzucht\"],\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"CommentAction\",\"name\":\"Comment\",\"target\":[\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#respond\"]}]},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\",\"url\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\",\"name\":\"Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg\",\"datePublished\":\"2023-11-19T08:59:50+00:00\",\"dateModified\":\"2023-12-19T10:40:15+00:00\",\"description\":\"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die \\\"neue Gentechnik\\\" und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg\",\"width\":2560,\"height\":1759},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Accueil\",\"item\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Kleine Ursache &#8211; grosse Wirkung\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#website\",\"url\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/\",\"name\":\"Agrarinfo\",\"description\":\"Just another bienvu.ch site\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization\",\"name\":\"agrarinfo.ch\",\"alternateName\":\"agrarinfo.ch\",\"url\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/logo\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/03\/agrarinfo_A_quadrat.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/03\/agrarinfo_A_quadrat.jpg\",\"width\":1107,\"height\":1105,\"caption\":\"agrarinfo.ch\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/logo\/image\/\"},\"sameAs\":[\"https:\/\/www.facebook.com\/agrarinfo.ch\",\"https:\/\/x.com\/agrar_info\",\"https:\/\/www.instagram.com\/agrarinfo.ch\/\",\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/agrarinfo-ch-8894342a0\/\"]},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/2c9c7ebc6367dcfe6e1ddacf391c5336\",\"name\":\"repris d'une autre source\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/6686f9925a0f33fa4ec348ad0866c7f88cb0b46827d0926ef7b856582b9ce742?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/6686f9925a0f33fa4ec348ad0866c7f88cb0b46827d0926ef7b856582b9ce742?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"repris d'une autre source\"}}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo","description":"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die \"neue Gentechnik\" und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo","og_description":"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die \"neue Gentechnik\" und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann","og_url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/","og_site_name":"Agrarinfo","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/agrarinfo.ch","article_published_time":"2023-11-19T08:59:50+00:00","article_modified_time":"2023-12-19T10:40:15+00:00","og_image":[{"width":2560,"height":1759,"url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg","type":"image\/jpeg"}],"author":"repris d'une autre source","twitter_card":"summary_large_image","twitter_creator":"@agrar_info","twitter_site":"@agrar_info","twitter_misc":{"Verfasst von":"repris d'une autre source","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"29\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/"},"author":{"name":"repris d'une autre source","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/2c9c7ebc6367dcfe6e1ddacf391c5336"},"headline":"Kleine Ursache &#8211; grosse Wirkung","datePublished":"2023-11-19T08:59:50+00:00","dateModified":"2023-12-19T10:40:15+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/"},"wordCount":3054,"commentCount":0,"publisher":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization"},"image":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg","articleSection":["Pflanzenzucht"],"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"CommentAction","name":"Comment","target":["https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#respond"]}]},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/","url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/","name":"Kleine Ursache - grosse Wirkung - Agrarinfo","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg","datePublished":"2023-11-19T08:59:50+00:00","dateModified":"2023-12-19T10:40:15+00:00","description":"Benedikt H\u00e4rlin erkl\u00e4rt die \"neue Gentechnik\" und wieso sie die agrar\u00f6kologische Umgestaltung nicht ersetzen kann","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#primaryimage","url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/11\/dna-split-scaled.jpg","width":2560,"height":1759},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/natur\/pflanzen\/pflanzenzucht\/kleine-ursache-grosse-wirkung\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Accueil","item":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Kleine Ursache &#8211; grosse Wirkung"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#website","url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/","name":"Agrarinfo","description":"Just another bienvu.ch site","publisher":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#organization","name":"agrarinfo.ch","alternateName":"agrarinfo.ch","url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/03\/agrarinfo_A_quadrat.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/03\/agrarinfo_A_quadrat.jpg","width":1107,"height":1105,"caption":"agrarinfo.ch"},"image":{"@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/agrarinfo.ch","https:\/\/x.com\/agrar_info","https:\/\/www.instagram.com\/agrarinfo.ch\/","https:\/\/www.linkedin.com\/in\/agrarinfo-ch-8894342a0\/"]},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/2c9c7ebc6367dcfe6e1ddacf391c5336","name":"repris d'une autre source","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/6686f9925a0f33fa4ec348ad0866c7f88cb0b46827d0926ef7b856582b9ce742?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/6686f9925a0f33fa4ec348ad0866c7f88cb0b46827d0926ef7b856582b9ce742?s=96&d=mm&r=g","caption":"repris d'une autre source"}}]}},"builder_content":"<p>Autor: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benedikt_H%C3%A4rlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benedikt H\u00e4rlin<\/a>.<\/p> <p>Der Artikel erschien zuerst in <a href=\"https:\/\/www.bioforumschweiz.ch\/kultur-und-politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kultur und Politik 3\/23<\/a>. Mit der freundlicher Erlaubnis des Autors ver\u00f6ffentlichen wir ihn auf dieser Webseite.<\/p>\n<h3>Inhaltsverzeichnis<\/h3> <p><a href=\"#intro\">Einleitung<\/a><br \/><a href=\"#neue_gentechnik\">Eine neue Geschichte \u00fcber die Gentechnik<\/a><br \/><a href=\"#komplex\">Darf's etwas komplexer sein?<\/a><br \/><a href=\"#welcher_pfad\">Auf welchen Pfad wollen wir uns begeben?<\/a><br \/><a href=\"#neue_saatgut-ordnung\">Die neue Saatgut-Ordnung<\/a><br \/><a href=\"#vorsorge\">Praktische Vorsorge<\/a><br \/><a href=\"#respekt\">Respekt und Ehrlichkeit<\/a><\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2><p><em>Das Hinzuf\u00fcgen, Entfernen oder Vertauschen einzelner Basenpaare im Erbgut kann einen gewaltigen Unterschied f\u00fcr das Funktionieren einer Zelle und die Eigenschaften eines ganzen Organismus machen. Es ist ein wenig wie Johann Sebastian Bachs Definition von gekonntem Klavierspiel: Man muss nur zur richtigen Zeit die richtige Taste dr\u00fccken. So einfach ist das und doch auch so schwer. Darin liegt der Reiz der Gentechnik, aber auch ihr Risiko.<\/em><\/p><p>Die EU-Kommission will, dass Pflanzen, die an bis zu zwanzig Stellen ihres Erbguts gentechnisch ver\u00e4ndert wurden, wie herk\u00f6mmlich gez\u00fcchtete Pflanzen zu behandeln sein sollen. An diesen zwanzig Stellen d\u00fcrften beliebig viele Basenpaare (Nukleotide) zerst\u00f6rt oder in ihrer Reihenfolge umgekehrt werden, bis zu 20 Basenpaare ver\u00e4ndert oder ersetzt werden, beliebig lange benachbarte DNA-Sequenzen durch verwandte Sequenzen ersetzt werden und jede andere Ver\u00e4nderung von beliebiger L\u00e4nge vorgenommen werden, die bereits in irgendeiner mit der Pflanze direkt oder \u00fcber Zwischenschritte kreuzbaren Pflanze vorkommt.<\/p><p>F\u00fcr diese neue Gentechnik, die (zun\u00e4chst nur bei Pflanzen) nicht mehr als Gentechnik behandelt werden soll, hat die Kommission den Begriff \u201eneue genomische Techniken\u201c eingef\u00fchrt. Besonders die als \u201eGenschere\u201c bezeichnete CRISPR-Cas Technologie, die an genau definierbaren Stellen des Genoms ein Doppelbruch der DNA erzeugt. Bei ihrer zelleigenen Reparatur kann die DNA sodann gezielt ver\u00e4ndert werden. Einzelne oder mehrere Basenpaare k\u00f6nnen umgeschrieben oder entfernt, l\u00e4ngere DNA-Abschnitte stillgelegt oder neu an der Bruchstelle eingesetzt werden. Daf\u00fcr wird zun\u00e4chst mit klassischen Methoden der Gentechnik die bakterielle DNA des CRISPR-Cas Enzyms samt RNA-Suchmechanismus in die Zelle eingebracht und anschliessend m\u00f6glichst wieder entfernt.<\/p>\n<h2>Eine neue Geschichte \u00fcber die Gentechnik<\/h2> <p>Es handle sich bei dieser <em>\u201eGenom-Editierung\u201c<\/em>, so die zentrale Begr\u00fcndung f\u00fcr die vorgeschlagene Neubewertung, lediglich um \u201e<em>gezielte Mutationen\u201c<\/em>, die auch auf \u201enat\u00fcrliche Art\u201c durch herk\u00f6mmliche Z\u00fcchtung entstehen k\u00f6nnten. Damit verbundene Risiken f\u00fcr Umwelt und menschliche Gesundheit seien deshalb grunds\u00e4tzlich nicht h\u00f6her als die Produkte konventioneller Z\u00fcchtung. Zudem seien sie von diesen nicht einmal zuverl\u00e4ssig unterscheidbar. Im Unterschied zu <em>\u201etransgenen\u201c<\/em> Organismen, die <em>\u201eartfremde\u201c<\/em> DNA aus einem anderen Organismus enthalten, w\u00fcrden bei der <em>\u201eCisgenese\u201c<\/em> nur exakte Kopien von genetischem Material aus verwandten Pflanzen einf\u00fcgt, das bereits im <em>\u201eGenpool der Z\u00fcchter\u201c<\/em> dieser Pflanzen irgendwo auf der Welt verf\u00fcgbar ist. Falls die DNA-Kopie nicht exakt die gleiche ist, sondern schon ein wenig <em>\u201eumarrangiert\u201c<\/em> wurde, etwa a verschiedenen DNA-Abschnitten, die im \u201eGenpool der Z\u00fcchter\u201c vorkommen, handle es sich um \u201eIntragenese\u201c. Auch sie k\u00f6nne behandelt werden, als handle es sich dabei um herk\u00f6mmliche Z\u00fcchtung.<\/p> <p>Das ist ein neues Dogma, eine alternative Wahrheit dar\u00fcber, was Gentechnik bedeutet und wie sie funktioniert. Seit CRISPR\/Cas die erlahmte Phantasie der Gentechnik-Branche neu befl\u00fcgelt, wird diese Geschichte massiv verbreitet: Das sei gar keine richtige Gentechnik, sondern fast nat\u00fcrliche Mutagenese. Dann stellte der Europ\u00e4ische Gerichtshof im Jahre 2018 in einem Grundsatzurteil fest, dass s\u00e4mtliche neuen Gentechnikmethoden unter das herrschende Gentechnikrecht der EU fallen. Mangels praktischer Erfahrung und dank neuer technischer M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnten die neuen Gentechnikmethoden sogar riskanter sein als bisherige Methoden. Seither arbeitet eine millionenschwere Industrielobby und eine eher bescheidene Abteilung der Generaldirektion Gesundheit bei der EU-Kommission daran, das Gesetz zu \u00e4ndern, auf dessen Grundlage der EuGH urteilte: Wer das Urteil nicht \u00e4ndern kann, muss das Gesetz umschreiben.<\/p> <p>Wer nach wissenschaftlicher Literatur \u00fcber Cisgenese, Intragenese oder den \u201e<em>breeders gene pool\u201c<\/em> sucht, findet diese Begriffe ausschliesslich im Zusammenhang mit der angeblich nicht mehr zeitgem\u00e4ssen Gentechnik-Zulassungspraxis in Europa. Das Narrativ von riskanten Transgenen und ungef\u00e4hrlichen Cis- und Intragenen, von groben gentechnischen Manipulationen der Vergangenheit und pr\u00e4zisen Mutationen der Zukunft bietet Menschen in Politik, Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsunternehmen eine M\u00f6glichkeit an, ihren Einsatz f\u00fcr die Deregulierung der Gentechnik nicht als politischen Sinneswandel, sondern als neuere wissenschaftliche Erkenntnis zu pr\u00e4sentieren. Hier haben Menschen, die die Anwendung von Gentechnik in der Z\u00fcchtung seit Langem f\u00fcr ungef\u00e4hrlich halten und die bisherige Gentechnikgesetzgebung der EU f\u00fcr v\u00f6llig \u00fcberzogen, sich ein M\u00e4rchen f\u00fcr Politiker und die breite \u00d6ffentlichkeit ausgedacht, das einen z\u00fcgigen Ausstieg aus dem ganzen \u201eHumbug\u201c erlaubt. \u201eGenom-editierte\u201c Pflanzen sind daf\u00fcr der Einstieg. Die Europ\u00e4ische Lebensmittelbeh\u00f6rde EFSA arbeitet bereits an der Neubewertung gentechnischer Ver\u00e4nderungen bei Mikroorganismen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\"><em>\u00abDie medizinische Literatur zu unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Folgen beim Einsatz von CRISPR-Cas ist erdr\u00fcckend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Listen bei Pflanzen k\u00fcrzer w\u00e4ren \u2013 es wird hier aber nicht danach gesucht.\u00bb<\/em><\/h2>\n<h2>Darf's etwas komplexer sein?<\/h2><p>Allerdings widerspricht dieses Narrativ von den guten und den fremden Genen und von dem, was nat\u00fcrlich ist und was nicht, vielen neueren Einsichten der Molekularbiologie. Dort setzt sich n\u00e4mlich die Erkenntnis durch, dass Zellen und Organismen einzelne DNA-Abschnitte nach Regeln ablesen und kombinieren, die nicht einfach in die DNA selbst \u201eeinprogrammiert\u201c sind.<\/p><p>Die Erkenntnis des Human Genome Project vor 20 Jahren, dass der menschliche K\u00f6rper \u00fcber 200.000 verschiedene Eiweisse mit nur ca. 25.000 sogenannten Genen, sprich ablesbaren DNA-Abschnitten, erzeugt, hat unser Bild vom sogenannten Bauplan des Lebens grundlegend ver\u00e4ndert. Seither hat die Epigenetik eine Vielzahl von Entdeckungen gemacht, die das naive Bild der DNA als Programm-Code relativieren. Dazu geh\u00f6ren die vielf\u00e4ltigen Funktionen von RNA: Kettenmolek\u00fcle \u00e4hnlich der DNA, meist einstr\u00e4ngig und sich viel komplexer formend; ebenfalls jene 99 Prozent der DNA, die nicht den Bauplan von Eiweissen codieren und deshalb urspr\u00fcnglich einmal als \u201ejunk DNA\u201c abgetan wurden. Es ist faszinierend: Je weiter die Wissenschaft in diese Wissensgebiete vordringt, desto komplexer wird das Bild. Daf\u00fcr gibt gerade die CRISPR-Cas-Technologie, die das gezielte \u201eAusschalten\u201c einzelner Gene erm\u00f6glicht, der Forschung ein enorm m\u00e4chtiges neues Instrument an die Hand.<\/p><p>Grob vereinfacht k\u00f6nnte man die DNA vielleicht mit einer Art festen Verdrahtung vergleichen, derer sich eine bisher nur sehr unvollst\u00e4ndig verstandene \u201eSoftware\u201c der Zelle in unterschiedlichen Zellen und Entwicklungsstadien und bei verschiedenen Umweltbedingungen bedient. In Unkenntnis und unter Umgehung der nat\u00fcrlichen Regeln und Kontrollmechanismen der Vererbung direkt in die DNA einzugreifen, kann unerwartete Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Eine derartige Eingriffstiefe, so die bisherige Grund\u00fcberlegung der vorsorgenden Gentechnikgesetzgebung der EU wie auch der Schweiz, bedarf besonderer Vorsicht. Denn unsere Erfahrung mit derartigen Eingriffen und ihren unmittelbaren und mittelbaren, kurz- und l\u00e4ngerfristigen Auswirkungen sind nach wie vor begrenzt.<\/p><p>Hier endet leider auch die Erz\u00e4hlung von der ungeheuren Pr\u00e4zision der neuen Technologie. Erst wer versteht, in welche Zusammenh\u00e4nge sie oder er jeweils direkt oder indirekt eingreift, kann echte Pr\u00e4zision f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Wer dagegen bestenfalls Wahrscheinlichkeiten angeben kann, mit denen bestimmte, noch so pr\u00e4zise Ver\u00e4nderungen einzelner DNA-Abschnitte ver\u00e4nderte Eigenschaften hervorbringen, ist von echter Kausalit\u00e4t und verl\u00e4sslicher Bewertung nicht erw\u00fcnschter M\u00f6glichkeiten noch weit entfernt. Auch ein mit \u00e4usserster Pr\u00e4zision gef\u00fchrter Schlag ins Wasser bleibt ein solcher.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\"><em>K\u00fcnftig soll nicht mehr der tats\u00e4chliche Organismus, sondern nur noch das erfinderische Konzept dieses GVO angeschaut werden und nach Aktenlage gepr\u00fcft werden.<\/em><\/h2>\n<h2>Ungereimtheiten<\/h2><p>Es gibt wissenschaftlich-technische Einw\u00e4nde gegen das Narrativ der gezielten Mutation und ihrer ungeheuren Pr\u00e4zision. Dazu geh\u00f6rt, dass CRISPR-Cas Enzyme zwar sehr genau auf eine bestimmte Abfolge von Basenpaaren angesetzt werden k\u00f6nnen, nach denen ihre RNA-\u201eNase\u201c sucht. Sie kennen eine Stelle ihrer Wahl, an der ein gezielter Doppelstrangbruch der Helix verursacht werden soll. Doch wie viele weitere gleiche oder t\u00e4uschend \u00e4hnliche Sequenzen sich an anderen Stellen des Genoms finden, bleibt offen. Die medizinische Literatur zu unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Folgen beim Einsatz von CRISPR-Cas ist erdr\u00fcckend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Listen bei Pflanzen k\u00fcrzer w\u00e4ren \u2013 es wird hier aber nicht danach gesucht.<\/p><p>F\u00fcr Furore sorgte k\u00fcrzlich die Beschreibung eines \u201eChromothripsis\u201c genannten Effekts von Doppelstrangbr\u00fcchen in Pflanzen, bei dem Teile des betroffenen Chromosoms abreissen, mit massiven Folgen, die jedoch nicht immer leicht erkennbar sind. Dieser Effekt war in Zellen von S\u00e4ugetieren und Menschen bereits seit l\u00e4ngerem bekannt.<\/p><p>Dass CRISPR-Cas auch in solchen Regionen des Genoms Br\u00fcche verursacht, die von Natur aus gegen zuf\u00e4llige Mutationen besonders gut gesch\u00fctzt sind, stellt die Behauptung stark in Frage, gezielte Mutationen seien eigentlich nur harmlose Varianten dessen, was in der Natur st\u00e4ndig passiert.<\/p><p>Nicht zuletzt ist der besondere Mechanismus von CRISPR-Cas, nicht nur eine, sondern s\u00e4mtliche Fundstellen einer bestimmten DNA-Sequenz im Genom gleichzeitig zu ver\u00e4ndern, ein Effekt, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei nat\u00fcrlichen Mutationen auszuschliessen ist. Er gilt ja auch als besondere St\u00e4rke der Technik: Weizen mit seinen vier bis sechs Chromosomens\u00e4tzen und entsprechend vielen Kopien einzelner Gene, seine Gluten-Produktion auszutreiben, k\u00f6nnte so m\u00f6glich werden.<\/p><p>Hinzu kommt ein Ansatz, durch den George Church, ein Pionier und Enfant terrible der Gentechnik, den tasmanischen Beutelwolf oder das Mammut wieder auferstehen lassen will. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck will er eine CRISPR-Ver\u00e4nderung an die n\u00e4chste reihen, um die 0,4% Unterschied zwischen dem Genom des Mammuts und dem des asiatischen Elefanten zu \u00fcberbr\u00fccken. F\u00fcr weniger ambitionierte Pflanzenzucht-Ziele ist die systematische Aneinanderreihung einzelner \u201egezielter Mutationen\u201c nicht unbedingt eine versponnene Mammutaufgabe. Ganze am Bildschirm entworfene DNA-Sequenzen liessen sich so m\u00f6glicherweise Schritt f\u00fcr Schritt auf einen Organismus \u00fcbertragen; wenn es der EU-Kommission Freude macht, auch in Einzelschritten von jeweils 20 mal 20 Ver\u00e4nderungen. Weil, so schliesst man messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.<\/p><p>Auch die Methode der Risikoabsch\u00e4tzung soll ge\u00e4ndert werden: k\u00fcnftig soll nicht mehr der tats\u00e4chliche Organismus, sondern nur noch das erfinderische Konzept dieses GVO angeschaut werden. Die Hersteller teilen der Beh\u00f6rde die beabsichtigten Ver\u00e4nderungen mit und die Pr\u00fcfer untersuchen nach Aktenlage innerhalb von 30 Tagen, ob diese Ver\u00e4nderungen ihrer Meinung nach auch mit herk\u00f6mmlichen Z\u00fcchtungstechniken erzeugt werden k\u00f6nnen bzw. cisgenetischer oder intragenetischer Natur sind.<\/p><p>Reale, auch nicht beabsichtigte Ver\u00e4nderungen zu beachten, ist nicht mehr vorgesehen. Das erinnert an den ber\u00fchmten Betrunkenen, der nach dem verlorenen Schl\u00fcsselbund unter der Laterne sucht, weil nur dort Licht ist. Risiken und Nebenwirkungen dagegen, so lehrt uns die Erfahrung, sollten wir gerade da suchen, wo wir sie nicht erwarten.<\/p><p>Apropos Schl\u00fcsselbund: Die r\u00e4tselhafte Zahl von maximal 20 Nukleotiden, die von nun an als \u201enat\u00fcrliche Mutation\u201c durchgehen sollen, stammt \u2013 so die Vermutung beteiligter Wissenschaftler - urspr\u00fcnglich aus einer Untersuchung von nat\u00fcrlich vorkommenden genetischen Unterschieden in 80 Pflanzen der gleichen Pflanzenart (Ackerschmalwand, so etwas wie die Labormaus der Pflanzengenetiker) aus dem Jahre 2011. Damals erlaubte es die eingesetzte Testmethode zum heutigen Bedauern der Wissenschaftler nicht, l\u00e4ngere Sequenzen ebenso zuverl\u00e4ssig zu erkennen. Die Zahl scheint also in erster Linie der Begrenzung der damaligen Testmethoden zu verdanken zu sein.<\/p>\n<h2>Auf welchen Pfad wollen wir uns begeben?<\/h2><p>\u00dcber all dies liesse sich trefflich streiten, spotten und philosophieren. Doch wir werden m\u00f6glicherweise im Laufe der kommenden Jahre noch atemberaubende Ersch\u00fctterungen unserer bisherigen Vorstellungen von Genetik und Epigenetik, von DNA und Mikrobiologie erleben, die \u00fcber jene der vergangenen Jahrzehnte weit hinausgehen. Denken wir nur an die revolution\u00e4ren Erkenntnisse, die sich gerade \u00fcber das Mikrobiom auch in der \u00d6ffentlichkeit durchsetzen oder an die M\u00f6glichkeiten, mittels sogenannter k\u00fcnstlicher Intelligenz in Minuten statt bisher Jahren die dreidimensionale Faltung von Eiweissen zu berechnen. Die Computer tun dies mit selbstlernenden Programmen, deren Logik auch ihre Erfinder nicht mehr nachvollziehen k\u00f6nnen. Ob uns dies eher begeistert oder be\u00e4ngstigt, wir sollten uns auf bahnbrechende neue Einsichten einstellen und auch auf umst\u00fcrzende Anwendungsm\u00f6glichkeiten in der Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung.<\/p><p>Dass in der Landwirtschaft fundamentale Ver\u00e4nderungen notwendig sind, steht angesichts der Sch\u00e4den, die wir auf diesem Gebiet der Natur derzeit zuf\u00fcgen, ausser Frage. Eben gerade deshalb k\u00f6nnen wir uns gentechnische Idiotien wie die herbizidtoleranten Monokulturen von Bayer, Syngenta und Corteva nicht weiter leisten und auch nicht deren Fortf\u00fchrung mit anderen Mitteln. An erster Stelle muss der Ausstieg aus einer industriellen Landwirtschaft des letzten Jahrhunderts stehen, aus deren \u00dcberd\u00fcngung und Vergiftung, ineffizienter \u00dcberproduktion, Verschwendung und Verdr\u00e4ngung b\u00e4uerlicher Existenzen und Produktion von Lebensmitteln von immer geringerer Qualit\u00e4t. Diese agrar\u00f6kologische Umgestaltung zu verpassen w\u00e4re nicht nur riskant, sondern mit Sicherheit eine t\u00f6dliche Gefahr.<\/p><p>Die Rabulistik und Winkelz\u00fcge der Definition von Cisgenese, Intragenese und breeders gene pool widersprechen nicht nur den Anforderungen evidenzbasierter und solider Wissenschaft. Sie lenken auch von den wirklichen Herausforderungen und m\u00f6glichen Gefahren und Risiken ab. Zu reden ist dabei auch \u00fcber die \u00f6kologische, gesundheitliche und soziale Beherrschbarkeit und Wirkung von Technologien und Entwicklungspfaden jenseits der technischen Risiken im engeren Sinne.<\/p><p>Auch f\u00fcr die Wahrscheinlichkeit von technischen Fehlern und Missbrauch spielen die sinkenden Kosten der Sequenzierung von Genomen und ihrer digitalen Verarbeitung wie auch der CRISPR-Cas Technik eine wesentliche Rolle. In der gegenw\u00e4rtigen Phase allgemeiner Goldgr\u00e4berstimmung auf jede Identifizierbarkeit und Risikoabsch\u00e4tzung Kennzeichnung und \u00dcberwachung zu verzichten, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Deregulierung in Zeiten eines explodierenden technologischen Innovationsschubes mit ungewissem Ausgang ist das Gegenteil von Vorsorge und Umsicht.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\"><em>\u00abDie Deregulierung der Gentechnik geht mit der Gier nach \u201egeistigem Eigentum\u201c an Saatgut und einzelnen genetischen Eigenschaften m\u00f6glicherweise eine fatale Verbindung ein.\u00bb<\/em><\/h2>\n<h2>Die Neue Saatgut-Ordnung<\/h2><p>Wem werden die neuen, aber auch die alten technologischen M\u00f6glichkeiten k\u00fcnftig geh\u00f6ren? Die Deregulierung der Gentechnik geht mit der Gier nach \u201egeistigem Eigentum\u201c an Saatgut und einzelnen genetischen Eigenschaften m\u00f6glicherweise eine fatale Verbindung ein. Was immer mit Hilfe von CRISPR-Cas und \u00e4hnlichen Gentechniken entwickelt wird, f\u00e4llt nach geltendem Europ\u00e4ischen Patentrecht nicht mehr unter das grunds\u00e4tzliche Verbot der Patentierung von \u201eim wesentlichen biologischen Verfahren zur Produktion von Pflanzen und Tieren\u201c (herk\u00f6mmlicher Z\u00fcchtung etwa) und deren Produkten. CRISPR-Cas w\u00e4re also ein T\u00fcr\u00f6ffner, um Saatgut bzw. einzelne Eigenschaften zu patentieren und nicht mehr \u201enur\u201c unter Sortenschutz zu stellen. Es ist nicht der einzige Weg, den die Patentanw\u00e4lte von Bayer, Corteva, Syngenta &amp; Co derzeit beschreiten, aber der einfachste.<\/p><p>Der zentrale Unterschied: Mit gesch\u00fctzten Sorten k\u00f6nnen Z\u00fcchter weiter neue Sorten entwickeln, ohne dass es daf\u00fcr der Zustimmung des Sorten-Inhabers bedarf. Landwirte k\u00f6nnen aus diesen Sorten eigenes Saatgut gewinnen und optimieren. Bei patentiertem Saatgut l\u00e4uft ohne die Zustimmung und Lizenz des Patentinhabers dagegen nichts mehr. Das gilt, und hier kommt die Kennzeichnung und Identifizierbarkeit der GVOs ins Spiel, auch dann, wenn die patentierte Eigenschaft zuf\u00e4llig in Zucht- oder Pflanzmaterial einkreuzt: Sie bleibt das exklusive Eigentum des Patentinhabers.<\/p><p>Ausgerechnet in Zeiten, in denen durch Klimawandel und Artenverlust die Anpassung und Entwicklung neuer Sorten eine besondere Dringlichkeit bekommt, w\u00fcrde die \u201eVercrisperung\u201c der Z\u00fcchtung einem noch kleineren und exklusiven Kreis von Unternehmen und deren Anwaltskanzleien das Feld \u00fcberlassen. Den Resten von \u201eopen source\u201c, die im Sortenrecht verankert sind, w\u00fcrde so der Garaus gemacht. F\u00fcr jedes Zuchtunternehmen w\u00e4re die Versuchung und bald auch der Konkurrenzdruck gross, neuen Sorten eine \u201egezielte Mutation\u201c anzuh\u00e4ngen, um den Bauern und B\u00e4uerinnen den Nachbau und der Konkurrenz die Nutzung des genetischen Materials zu versagen. Der gesamte Saatgut-Markt w\u00fcrde so in relativ kurzer Zeit einer neuen Weltordnung unterworfen. Die Folgen lassen sich heute bereits in Amerika besichtigen, wo kleine und mittelst\u00e4ndische Zuchtunternehmen praktisch verschwunden sind. Der Erhalt und die Fortentwicklung des vielleicht wichtigsten Erbes der Menschheit w\u00fcrde endg\u00fcltig zur exklusiven Technologie einiger weniger Saatgut-Oligarchen verkommen; den gleichen \u00fcbrigens, die die Kennzeichnung und R\u00fcckverfolgbarkeit dieser neuen Gentechnik-Produkte mit dem Argument bek\u00e4mpfen, sie seien von herk\u00f6mmlich gez\u00fcchteten Varianten praktisch nicht zu unterscheiden. Wenn es um ihre Patente geht, werden sie hierf\u00fcr mit Sicherheit Mittel und Wege finden.<\/p>\n<h2>Praktische Vorsorge<\/h2><p>Da Z\u00fcchtung und Gentechnik an Pflanzen stets an der Keimbahn ansetzen, also sich selbst vermehrende Organismen erzeugen, deren Eigenschaften sich in der Natur auf verwandte Arten auskreuzen und weiterverbreiten k\u00f6nnen, ist Vorsorge geboten. Wir sollten m\u00f6gliche Risiken vorab in der Praxis untersuchen und absch\u00e4tzen. Der Eingriff sollte im Notfall so weit wie m\u00f6glich r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnen, die freigesetzten GVOs zu diesem Zweck eindeutig identifizierbar sein. Dies ist technisch kein Problem, wenn die Hersteller des GVOs kooperieren und wie bisher einen Test als Bestandteil der Zulassungsunterlagen einreichen.<\/p><p>Die weitergehende Frage ist: Wie viel Respekt haben wir sinnvollerweise vor den sich abzeichnenden neuen Manipulationsm\u00f6glichkeiten und dem l\u00e4ngst nicht begriffenen grossen Ganzen, in das wir mit ihnen eingreifen? Und wie viel Vorsicht ist im Umgang mit der menschlichen Innovationsf\u00e4higkeit und daraus entstehenden Machtverh\u00e4ltnissen geboten?<\/p><p>Ist es wirklich sinnvoll, der Gentechnik-Zunft, die bei allem Respekt noch keinen einzigen \u00fcberzeugenden Beitrag zum \u00f6kologischen Umbau und zur Nachhaltigkeit von Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft vorzuweisen hat, durch weitgehende Deregulierung der bisherigen Sicherheits- und Transparenzvorschriften kurzfristige Investitionsanreize zu bieten? Sind solche Vorschuss-Lorbeeren gerechtfertigt f\u00fcr eine Branche, deren einziger wirtschaftlicher Erfolg in den letzten 30 Jahren in einem System von herbizidtoleranten und insektengiftigen Pflanzen besteht, das weltweit gewaltige Umwelt- und Gesundheitssch\u00e4den verursacht?<\/p>\n<h2>Respekt und Ehrlichkeit<\/h2><p>Warum soll auf keinen Fall mehr draufstehen was tats\u00e4chlich drin ist? GVOs und ihre Produkte m\u00fcssen weiterhin klar gekennzeichnet werden. Nicht zuletzt auch, um dem biologischen Landbau, der den Einsatz von Gentechnik ausschliesst, nicht den Todesstoss zu versetzen. Der Vorschlag der EU-Kommission bekr\u00e4ftigt zwar weiterhin das Verbot des Einsatzes auch der neuen Gentechnik im \u00d6kolandbau. Er \u00fcberl\u00e4sst aber die Haftung daf\u00fcr ausschliesslich der Biobranche und die Regelung der nur noch schwer vorstellbaren Koexistenz den Mitgliedstaaten. Und denen bindet sie dabei sogar noch eine Hand auf den R\u00fccken: Die bisher m\u00f6glichen nationalen oder regionalen Einschr\u00e4nkungen oder gar Verbote f\u00fcr den Anbau von GVOs werden f\u00fcr die nicht mehr r\u00fcckverfolgbaren neuen GVOs ausgeschlossen!<\/p><p>Der Versuch, den Streit um das Thema dadurch zu beenden, dass daf\u00fcr entscheidende Informationen den sichtlich interessierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern k\u00fcnftig vorenthalten werden nach dem Motto \u201edie Wissenschaft hat festgestellt, dass Euch das nicht zu interessieren hat\u201c ist \u00fcbergriffig.<\/p>\n<a href=\"#TOC\"> <em><svg aria-hidden=\"true\"><use href=\"#tf-ti-arrow-up\"><\/use><\/svg><\/em> zur\u00fcck zum Artikelanfang <\/a>\n<h2>Links<\/h2> <p>Europa-Parlament, Legislative Train Schedule:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/legislative-train\/spotlight-JD%2023-24\/file-plants-produced-by-certain-new-genomic-techniques\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Plants produced by certain new genomic techniques in \"A European Green Deal\"<\/a><\/p> <p>SAG Schweizer Allianz Gentechfrei: <a href=\"https:\/\/gentechnologie.ch\/de\/themen\/neue-gv-verfahren\/5358-stimmen-der-wissenschaft-gegen-deregulierungsplaene-der-eu-kommission\">Stimmen der Wissenschaft gegen Deregulierungspl\u00e4ne der EU-Kommission (5.12.23)<\/a><\/p> <p>\u00a0<\/p> <p>\u00a0<\/p>","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14618"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15093,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618\/revisions\/15093"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agrarinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}